Workshop zu emanzipatorischen Staatsverständnissen zwischen Anti-Repression, Internationalismus, Feminismus und sozial(istisch)er Ökonomie
Das Verhältnis der Linken zum Staat ist eine beständige Hassliebe. Es pendelt zwischen Rousseaus Diktum „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit“ und der historischen Erfahrung, dass es nicht zuletzt der Staat ist, der ausgrenzt, unterdrückt und über Leben und Tod richtet. Die Realität hat viele Linke von der Ursprungsidee abrücken lassen, dass ohne die „juristische Sekunde“ der Verstaatlichung keine egalitäre Eigentumsordnung zustande kommen kann, die erst wirkliche Formen demokratischer Vergesellscha# ung eröffnet.
Dass aus der juristischen Sekunde ein paar staatssozialistische Jahrzehnte und ansonsten global konkurrierende Märkte wurden, hat allerorts für harte Erfahrungsbrüche und Ernüchterung gesorgt. Noch jede erfolgreiche Revolte musste binnen kürzester Zeit die Frage nach dem eigenen Staat und der eigenen Staatsmacht stellen, die ein feministischer Text aus den britischen riots der 70er Jahre in den schmalen Satz gefasst hat: „Was machen wir, wenn die Bullen sich verpisst haben?“
Dass der Staat abstirbt, wenn er (wie schon bei F. Engels) nur noch „die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen“ ist – dieser richtige Gedanke gestaltet sich aus heutiger Sicht komplizierter. Der Neoliberalismus braucht gar keinen Staat mehr, um die Subjekte auf Spur zu bringen. Gleichzeitig ist Staat mehr als ein Instrument der disziplinarischen Kontrolle – auch wenn er als Kampfzone sozialer Krä" everhältnisse bislang unter seinenMöglichkeiten bleibt.
Und was ist eigentlich noch übrig von der radikalen Kritik des Parlamentarismus, der bürgerlichen Demokratie, ja der „Politik“ (Agnoli) – was von der Utopie „einer Welt ohne Regeln, ohne Grenzen, ohne Gesetze“ (Matrix)?
Um diese Fragen zu diskutieren hat DIE LINKE.SDS an der Leibniz Universität Hannover die Emanzipatorische Linke zu einem ersten Workshop eingeladen.
Alle Interessierten sind eingeladen!
Wann: Samstag, 27. März 2010 von 12 bis 19 Uhr
Wo: Leibniz Universität Hannover, Schneiderberg 50
Anfahrt: Mit den Stadtbahn-Linien 4 oder 5 bis zur Haltestelle Schneiderberg fahren. Von dort zu Fuß in die Straße Schneiderberg einbiegen. Nach ca. 100 Meter findet man die Hausnummer 50 auf der linken Seite.